Ein neues altes Quartier: Ehepaar saniert vier Fachwerkhäuser in Duderstadt
Im zweiten Obergeschoss der Jüdenstraße 16 sieht man die zwei berühmten Türme – und bisher noch viel Renovierungsbedarf. Manfred Otto, Hermann Tallau, Astrid Große und Wolfgang Nolte sahen sich bei einem Rundgang im Gebäude um.

Ein neues altes Quartier: Ehepaar saniert vier Fachwerkhäuser in Duderstadt

Astrid und Wolfgang Große schaffen aus Leerstand und vom Verfall bedrohten Häusern ein neues Quartier. Saniert wird barrierefrei. Mit der Jüdenstraße 12 haben sie begonnen, die sechs entstandenen Wohnungen darin sind bald bezugsfertig. Damit endet der Sanierungsdrang der Eheleute aus Göttingen aber nicht. Auch die Jüdenstraße 16 und die Hinterstraße 60 sanieren Handwerker zur Zeit für sie. Die Hinterstraße 62 soll anschließend renoviert werden. Insgesamt 14 Wohnungen im Stadtkern schafft Familie Große durch die Aufbereitung der Häuser. Der Stadtverwaltung Duderstadtist das „Bauen im Bestand“ ein wichtiges Anliegen. Daher machten sich Bürgermeister Wolfgang Nolte, Ortsbürgermeister Manfred Otto, Hermann Tallau als Vorsitzender des Förderkreises Denkmal- und Stadtbildpflege und Jürgen Germerott in seiner Funktion als Chef der Bauaufsicht und Denkmalpflege vor Ort am Donnerstagmorgen ein Bild von dem Vorhaben.

Zwei der drei in Angriff genommenen Fachwerkhäuser verbindet ein gemeinsamer Innenhof. „Wir planen, ein Café oder ähnliches ins Erdgeschoss der Jüdenstraße 16 zu holen“, sagt Wolfgang Große. „Wir wollen einen Raum schaffen, wo man auch mal klönen kann.“ Die Zielgruppe der beiden sei die Generation 55 plus, so Astrid Große. Deshalb lassen sie Aufzüge einbauen und gestalten die Häuser im neuen Innenausbau barrierefrei. „Wir sind aber nicht festgelegt, auch andere Menschen, die bezahlbaren Wohnraum mitten in der Stadt suchen, haben natürlich eine Chance.“ Zu den gewerblichen Räumlichkeiten von circa 60 Quadratmetern (qm) sollen in der Jüdenstraße 16 jeweils eine 90qm-Dreizimmerwohnung in der ersten und zweiten Etage entstehen. Die Hinterstraße setzt sich aus einer Dreizimmerwohnung im Erdgeschoss mit Hof- und Gartenzugang und zwei kleineren Zweizimmerwohnungen im ersten Stock mit jeweils 50 qm zusammen, außerdem entsteht im Dachgeschoss eine 80qm-Wohnung „mit Loftcharakter“, so Astrid Große. Außer per Fahrstuhl seien die Wohnungen auch über zwei getrennte Treppenhäuser zu erreichen. Im Innenhof führen Laubengänge zu den einzelnen Adressen.

Die Hinterstraße 62 liegt in direkter Nachbarschaft und soll mit einer Dreizimmerwohnung im Erdgeschoss mit 70 qm und einer ebenso große Wohnung im ersten Geschoss ausgestattet werden. „Mit der Jüdenstraße 12 schaffen wir um die 1100 qm Wohnfläche“, so Große. „Leider konnte die Stadt Duderstadt keine Städtebauförderung für Sie beide bewilligen, weil Ihre Häuser außerhalb des Sanierungsgebiets liegen“, sagte Nolte. „Dabei zeigt es eine große Wertschätzung gegenüber Duderstadt, dass Sie in das Eigentum von vier Fachwerkhäusern rein gegangen sind und sich kümmern.“ „Was 55 plus gut tut, tut auch Familien mit Kindern gut“, so Nolte. „Gute Zugänge, barrierefrei, wichtige Einrichtungen in der Nachbarschaft – das ist auch für Auszubildende, Schüler und mitten im Berufsleben steckende Menschen wichtig“, so der Bürgermeister. Wolfgang Große nickt und schränkt ein: „Studenten aus Göttingen werden wir hier nicht herkriegen, aber Menschen über 55 Jahren zieht es zunehmend aus der Stadt.“ Auch für ihn sei dieser Schritt nicht unattraktiv. „Die ältere Generation braucht vieles nicht mehr, was Göttingen bietet – die zehnte Dönerbude an der Weender Landstraße beispielsweise oder Läden zum Ausgehen“, sagt Große mit einem Schmunzeln. Duderstadt sei kleiner und ruhiger, alles wichtige fände man aber trotzdem in der Stadt. In der zweiten Hälfte von 2020 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein.

Der größte Schutt sei schon aus den Räumen draußen, die Dächer seien großteils erledigt und nun folge der echte Umbau mit neuem Lehmputz, der Sanierung der Treppenhäuser und später dem Einbau von Strom- und Wasseranschlüssen. „Wir haben noch einiges vor uns, aber wir wollen auch kein 0815-Fachwerk, da steckt schon unser Herzblut drin“, so Große. lel

Authored by: Blick Redaktion