Sartorius-Quartier: Industriebrache soll Wohlfühlviertel werden
Das Kernstück des alten Sartorius-Werkes wird saniert und Mittelpunkt eines neuen Viertels.

Sartorius-Quartier: Industriebrache soll Wohlfühlviertel werden

Das Sartorius-Quartier auf dem alten Firmengelände zwischen Weender Landstraße, Annastraße und Daimlerstraße nimmt Gestalt an. Der Abriss der Altgebäude auf der Großbaustelle ist fortgeschritten, die Baukräne drehen sich, im September soll die Grundsteinlegung für die ersten Wohnungen auf dem einstigen Firmenparkplatz des 1870 gegründeten börsennotierten Technologiekonzerns und der ehemaligen Gärtnerei-Fläche an der gegenüberliegenden Seite der Annastraße erfolgen. Auf diesem durch die Sparkasse vermarkteten Areal seien nur noch vier Wohnungen frei, sagt Christoph Klein vom Hamburger Planungsteam. Gemeinsam mit dem Sartorius-Vorstandsvorsitzenden Joachim Kreuzburg hat der Team-Geschäftsführer in der mittlerweile fünften Bürgerinformationsveranstaltung den aktuellen Baufortschritt und die künftige Nutzung vorgestellt.

Die Akzeptanz für das knapp 45000 Quadratmeter große Wohn- und Gewerbequartier ist hoch, das Verfahren transparent, die Nachfrage groß. Das neue Viertel soll bis Ende 2022 fertiggestellt sein, „Wohnen, Bilden und Gründen“ vereinen. Der historische Kern des Werkes, das 120 Jahre lang an diesem Standort angesiedelt war, wird saniert, die neuen Gebäude sollen hochwertige Backsteinfassaden bekommen. „Die Mischung aus Alt und Neu hat einen ganz besonderen Charme und Charakter“, sagt Planungsteam-Geschäftsführer Kleiner: „Wir agieren mit viel Herzblut“. Das Mammutprojekt mit einem Investitionsvolumen von etwa 116 Millionen Euro solle bis Ende 2022 abgeschlossen werden, die ersten Bewohner könnten Mitte 2021 einziehen. „In den nächsten zwei Jahren wird es richtig wuselig“, sagt Kleiner und bittet um Nachsicht wegen der Beeinträchtigungen durch die Bauarbeiten.

In dem neuen Viertel werden mehr Menschen wohnen und arbeiten, tüfteln und träumen als manches Dorf im Landkreis Einwohner hat. Auf fünf Baufeldern, die um den sanierten historischen Kern des alten Werksgeländes verortet sind, entstehen 170 Mietwohnungen, 53 Eigentumswohnungen, ein Freigeist-Hotel mit 123 Zimmern, Sky-Bar, Restaurant, 114 sogenannte Smart Appartements und ein von Viani betriebenes Deli, eine Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt, Gesundheitscampus, Life-Science-Factory sowie Veranstaltungsbereich mit Bistro, Hörsälen und Seminarräumen in der Sheddach-Halle mit Sägezahndach und dem Turm, in dem schon der Sohn des Unternehmensgründers gewohnt hat. Ein neuer Turmaufbau solle das Herauswachsen des prosperierenden Unternehmens aus dem alten Werk visualisieren, sagt Kleiner. Die Größe der Wohnungen mit ein bis vier Zimmern soll für eine Durchmischung sorgen, die Zielgruppen reichen von Studenten bis jungen Familien. Bei den Smart Appartements handele es sich um möblierte Räume, die ein bis sechs Monate lang vermietet würden, erläutert Kleiner – „für alle Menschen, die sich in Göttingen erst einmal orientieren wollen“. Mit den Partnern von Ottobock bis Freigeist seien Verträge abgeschlossen, zwei Ladenflächen und Büroflächen noch verfügbar.

„Der Wohnungsmarkt ist eng, der Bedarf an hochwertigen und zentrumsnahen Wohnungen groß“, wir wollen eine große Bandbreite abdecken“, sagt Kreuzburg, betont die Nähe zur Uni und zur Stadt, das Potenzial für Gründer, Gesundheit und Life Science als gewichtige Themen: „Wir wollen auch einen Beitrag zu den Entwicklungszielen der Stadt leisten“. Mit der Universitätsmedizin (UMG) und weiteren Partner seien viele Gespräche geführt worden, die Anfang des Jahres von Sartorius in der alten Post an der Friedrichstraße gestartete Life Science Factory solle 2022 das neue Quartier beziehen. Der Neubau soll auf etwa 3000 Quadratmetern Raum für Wissenschaftler bieten, die erste Schritte außerhalb des akademischen Betriebs gehen wollen, bieten – mit flexiblen Flächen für Start-Ups, Laboren, Co-Working-Spaces und Büros. Der Gesundheitscampus, der in der Bauzeit ins benachbarte Telekom-Gebäude ausgelagert ist, soll langfristig bis zu 600 Studierende aufnehmen. Als innovative Studiengänge werden dort in Kooperation mit der UMG und der HAWK (Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst) Therapiewissenschaften, Mediziningenieurwesen, soziale Arbeit im Gesundheitswesen und Pflege angeboten. ku

Authored by: Blick Redaktion