50 Jahre OHG in Göttingen: Russisch, Proteste und bis zu 1800 Schüler
50 Jahre OHG – und immer in Bewegung: 1982 protestieren Schüler, Lehrer und Eltern vehement gegen eine Verlegung nach Weende

50 Jahre OHG in Göttingen: Russisch, Proteste und bis zu 1800 Schüler

Als diese Schule anfing, war es „eine kleine Revolution“, sagt Schulleiterin Rita Engels: Noch eine neue Schule in der einst kleinen, aber stetig wachsenden Stadt Göttingen; Unterricht in einer Villa im Ostviertel; an der Tafel plötzlich Lehrerinnen neben den männlichen Kollegen. Das war 1969. Mit 273 Schülern hat das „5. Gymnasium“ damals begonnen. Mit 1210 Schülern feiert das heutige Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) jetzt 50. Geburtstag.

Hinter der Schule stehen 50 bewegte und immer wieder revolutionäre Jahre. Ganz bewusst zieht die Schule vier Jahre nach ihrer Gründung in einen Neubau in der Weststadt: raus aus dem Ostviertel, rein ist Bahnhofsviertel. Mit der neuen Bildungsoffensive der Brandt-Regierung sollen sich Schulen bisher benachteiligten Schichten öffnen und damit Bildungsreserven aktivieren, erklärt Engels. Die Bahnhofsnähe macht es möglich, dass viele Schüler aus dem Umland kommen – zeitweise wird das OHG despektierlich „Bauerngymnasium“ genannt.

Revolutionär wie typisch für den Zeitgeist ist auch der Neubau: ein Funktionsbau mit viel Sichtbeton, der das Gebäude bis heute prägt. Selbst auf eine Aula verzichten die Planer. Klassen- und Fachräume gruppieren sich stattdessen um eine zentrale Pausenhalle und um zentrale Aufenthaltsbereiche. Die Gemeinschaft der Schüler und selbstständige Gruppenarbeit prägen immer mehr die pädagogischen Konzepte. Fast revolutionär sind auch spätere pädagogische Entwicklungen am OHG: Von Beginn an wird Russisch gelehrt, das OHG gründet 1993 einen Musikzweig und wird später Mint-EC-Schule. Als erstes Gymnasium in der Region richtet es nach eigenen Angaben eine Sprachlernklasse ein. In Diakoniepraktika (ab 2017) und Herausforderungsprojekten (ab 2013) außerhalb der Schule bekommen die Schüler noch mehr Unterstützung, ihre Stärken herauszubilden.

Zweimal wird der Schulfrieden mächtig durchgerüttelt: Anfang der 1980er-Jahre platzt die für 1200 Schüler ausgelegte Schule mit fast 1800 Schülern aus allen Nähten. Das Land erwägt eine Teilung, die Stadt will die Schule nach Weende versetzen. Schüler, Lehrer und Eltern gehen auf die Straße und sammeln 27 000 Protestunterschriften.

Die Schule bleibt wie und wo sie ist. 2017 gibt es erneut Proteste mit Aktionen auch in der Innenstadt: Die Schule hat erneut massive Raumnot und fordert einen Anbau. Mit Erfolg – die Pläne stehen.

Authored by: Blick Redaktion