Weißstorchbestand im Altkreis Göttingen seit Jahren stabil
Ein Storch bewacht aufmerksam das Nest auf dem Schornstein der alten Molkerei in Westerode.

Weißstorchbestand im Altkreis Göttingen seit Jahren stabil

In Niedersachsen und Bremen ließen sich nach Angaben des Nabu im Jahr 2019 insgesamt 1133 Weißstorchpaare nieder, darunter viele Neuansiedler. Sie brachten 2463 Jungstörche zum Ausfliegen. Das ist der höchste Bestand seit mehr als 60 Jahren. In der Region um Göttingen ist der Bestand zwar nicht gewachsen, aber seit einigen Jahren stabil. „Mit den Zahlen wurde das gute Ergebnis aus dem Jahr 2018 (1008 Paare mit 1768 flüggen Jungen) bei den Paaren erneut um 12,5 Prozent und bei den flüggen Jungen sogar um 39 Prozent übertroffen“, erklärte Hans-Jürgen Behrmann von der Landesarbeitsgruppe (LAG) Weißstorchschutz des Nabu Niedersachsen. „Dies ist der höchste Storchenbestand in Niedersachsen seit mehr als 60 Jahren – und das trotz des trockenen Sommers.“ Niedersachsen zähle mit Baden-Württemberg und Brandenburg zu den Top-Drei der Bundesländer mit dem höchsten Storchenbestand.

Der regionale Weißstorch-Beauftragte Georg Fiedler kann diese Beobachtungen für seinen Bereich der von Helmstedt bis nach Südniedersachsen reicht, bestätigen. Der Bestand an Weißstörchen sei in der Vergangenheit angestiegen. „Als ich im Jahr 2007 mit der Betreuung von Weißstörchen begonnen habe, habe ich 29 nistende Paare und 62 ausgeflogene Junge erfasst“, erzählt er. Waren es im vergangenen Jahr bereits 69 nistende Paare und 150 ausgeflogene Junge, so habe sich diese Zahl in 2019 noch einmal auf 80 Paare und 163 Junge erhöht.

22 ausgeflogene Junge

Während die Zahl in anderen Gegenden zugenommen habe, sei sie im Altkreis Göttingen stagniert, so Fiedler. Von zehn nistenden Paaren im Altkreis Göttingen hatten in diesem Jahr neun erfolgreich Nachwuchs ausgebrütet. Insgesamt sind 24 Junge ausgeflogen. Im Vorjahr waren acht von elf Paaren erfolgreich und sorgten für 22 ausgeflogene Junge. „Es ist aber auch alles eine Frage der Bewertung“, sagt er. „Man kann genau so sagen, die Zahl bleibt stabil.“

Dass es keine weitere Zunahme gegeben habe, sei nicht auch gleich ein schlechtes Zeichen. „Je weiter das Gebiet von der Kernzone entfernt ist, ist die Zunahme nicht so spürbar.“ Im Harzkreis bleibe der Bestand seit Jahren bei neun Paaren stehen.

Start im Jahr 2001

Die Entwicklung des Storchenbestandes hat vor fast zwei Jahrzehnten begonnen. Im Altkreis Göttingen habe sich nach jahrzehntelanger Abstinenz 2001 das erste Paar in Gieboldehausen niedergelassen. Fünf Jahre später seien zwei weitere Paare im Seeanger bei Ebergötzen sowie in Seeburg bei Landwirt Ludwig Pape heimisch worden. 2012 habe ein weiteres Paar Lütgenhausen angesteuert. „Mit den Zahlen im Kreis Göttingen kann man zufrieden sein“, sagt Fiedler.

Es sei zu beobachten, dass die Jungen in diesem Jahr aufgrund des hohen Vorkommens von Feldmäusen in gutem Zustand ihren Rückflug in den Süden angetreten haben. „Sie waren in bester Verfassung“, bestätigt Fiedler. Aber auch das vorangegangene Dürrejahr habe dem Bestand nicht unbedingt geschadet. „Es sind Störche wiedergekommen, die 2018 ihr erstes Lebensjahr hier verbracht haben.“ Darunter sei auch einer der Seulinger Störche.

Zurzeit seien die Störche zum größten Teil bereits wieder Richtung Süden gezogen. In Gieboldehausen hatte sich zum Beispiel im Vorfeld eine größere Gruppe auf dem Dach der St.-Laurentius-Kirche getroffen. „Die Gruppe ist längst weg, wie die meisten Störche.“ Vereinzelt würden aber einige Einzeltiere auch bleiben. „Im Leinepolder sollen sich zum Beispiel noch einige aufhalten“, sagt Fiedler. rf

Authored by: Blick Redaktion