Protest gegen de Maizière-Lesung
Vor dem Neuen Rathaus in Göttingen blockieren Demonstranten die geplante Lesung von Thomas de Maizière.

Protest gegen de Maizière-Lesung

Proteste gegen die türkische Syrien-Offensive haben zur Absage der Veranstaltung mit Thomas de Maizière beim Göttinger Literaturherbst geführt. Demonstranten blockierten die Zugänge zum Alten Rathaus. Der ehemalige Bundesinnenminister verzichtete auf seinen Auftritt.

Der ehemalige Innenminister sei „für rassistische Politik verantwortlich“, lautete unter anderem die Kritik der Demonstranten. Mehr als 50 Personen demonstrierten, ein Teil davon blockierte die beiden Zugänge zur Halle des Alten Rathauses. Polizeikräfte waren im Einsatz.

Literaturherbst-Geschäftsführer Johannes-Peter Herberhold berichtete den gut hundert Gästen, die sich auf Anraten der Polizei am Rand des Marktplatzes zusammengefunden hatten, er sei ins Alte Rathaus gelangt. Doch sei er daran von den Demonstranten mit körperlicher Gewalt gehindert worden. Dabei zerrissen Sakko und Oberhemd. Ansonsten verlief die Demonstration zwar lautstark, aber friedlich. Die Polizei sei, so Herberhold, bereit gewesen, den Platz vor dem Alten Rathaus zu räumen. Doch de Maizière habe unter diesen Bedingungen keine Lesung abhalten wollen. De Maizière werde die Lesung nachholen, sagte Herberhold. Die Tickets behalten ihre Gültigkeit. Nachdem de Maizière gegen 19.40 Uhr unter Polizeischutz das Restaurant im Keller des Rathauses verlassen hatte, gingen auch die Demonstranten.

Politik und gesellschaftliche Themen standen im Mittelpunkt der vier Veranstaltungen des Literaturherbstes in Göttingen am Montag. Insgesamt kamen dazu 2500 Gäste. Die weiteren drei Veranstaltungen waren von Störungen nicht betroffen. Dass die Lesung eines bürgerlichen Politikers verhindert worden sei, jegliche Kommunikation von den Demonstranten mit Trillerpfeifen und Kriegsgeräuschen verhindert wurde, nannte Herberhold, „frustrierend, dass man in Göttingen nicht über Politik reden kann“. Er selbst habe in 28 Jahren Literaturherbst so etwas noch nicht erlebt. Gäste von außerhalb, extra zu der Lesung von de Maizière angereist, seien fassungslos gewesen über den Protest.

Strukturen des Regierens hat de Maizière, der als CDU-Politiker mehr als 28 Jahre Regierungsverantwortung übernommen hat, in seinem Buch „Regieren. Innenansichten der Politik“ dargestellt. Seine Sicht auf die tägliche Arbeit des Regierens und sein Buch wollte der 1954 geborene Politiker im Gespräch mit Moderatorin Natascha Freundel erläutern. Von 2013 bis 2018 war de Maizière Bundesinnenminister. el / jes

Authored by: Blick Redaktion