„Science goes City“: Aktionstag in der Göttinger Innenstadt
Tobis Claus (r.) erläutert (v. l.) Marvin und Jona in der Energiejurte die Wasserstofftechnologie.

„Science goes City“: Aktionstag in der Göttinger Innenstadt

„Wissenswert! – Science goes City“ heißt der Aktionstag, der erstmals am Sonnabend in der Innenstadt angeboten wurde. Von 10 Uhr an bis in den Abend hinein haben die Universität Göttingen und Pro-City ein Programm an 30 Orten organisiert. Bereits ab 10 Uhr kamen die ersten Besucher, um sich am Infostand von Pro-City mit Informationen – wie dem Programmflyer oder Bücher zur Göttinger Universitätsgeschichte – zu versorgen. Auch Energiesparer zog es auf den Markt, in die Energie-Jurte oder an den Stand der Energieagentur. Pro-City Vorsitzende Susanne Heller war am Sonntag hoch zufrieden. „Es war ein super Sonnabend, es freut mich sehr, dass wir die Zusammenarbeit mit der Universität noch intensivieren konnten“, sagt sie. Es sei eine Win-Win-Situation. Und: „Wir hoffen auf eine Fortsetzung.“

In der Jurte auf dem Markt demonstrierte Physiker Tobias Claus vom Sonderforschungsbereich 1073 der Universität, wie einfach ein Wasserstoffantrieb funktioniert. Der kleine Jona und sein Vater schauten fasziniert zu. „Wenn ich groß bin, baue ich Züge, die mit Wasserstoff fahren und fliegen können“, sagte Jona. Er und sein Freund waren ganz begeistert von dem kleinen Wasserstoffauto, dass sie per Fernbedienung in Gang setzen durften. Die faszinierende Technik, die ohne fossile Brennstoffe, seltene Rohstoffe und schädliche Emissionen auskommt, lockte zahlreiche Besucher in die Jurte auf dem Markt. Claus erklärt dort anschaulich und leicht verständlich, wie die Technik funktioniert. „Wir forschen, damit der Wasserstoffantrieb effizienter wird“, sagte er. Noch seien herkömmliche Batterien effizienter, die Wissenschaft arbeite daran, genau das zu ändern.

Eine knifflige Aufgabe hatten die Studenten der Sprachwissenschaften in der Stadtbücherei an der Gotmarstraße für die Besucher vorbereitet. Und zwar: Herauszufinden, wie das Zahlensystem der Maya funktioniert. Zwar waren die Symbole, die die Mengen angeben, auf einem Blatt vermerk. Zu durchschauen, wie es funktioniert, war ein nicht leicht zu lösendes Rätsel. Finja Henne und Lena Sarwar aber konnten es lösen. Die Sprache der Maya, so erklärte es Student Florian Fischer, werde noch heute in Mexiko, im Bereich Yukatan, gesprochen. Die Zahlen aber benutze kaum noch jemand.

Nebenan beim „Speeddating“ standen rund 20 junge Wissenschaftler aus 15 Disziplinen Rede und Antwort. Ob Palmöl, vulkanisches Gestein oder Politik: Innerhalb weniger Minuten konnten Besucher einen Doktoranden befragen, dann läutete das Glöckchen und es ging weiter zum nächsten. Stefan Peters beispielsweise erklärte auf holländisch, wie die Erde aufgebaut ist, er hatte einige vulkanische Gesteinsbrocken mitgebracht. Carole Mikx, ebenfalls Holländerin, hörte dem Geochemiker der Uni Göttingen gespannt zu und stellte Fragen. „Ich bin für eine Woche zu Besuch in Göttingen und finde die Aktion super”, sagte sie. Und schon ertönte wieder das Glöckchen und der nächste Besucher war an der Reihe. „Wir haben 22 junge Wissenschaftler aus 14 Disziplinen hier”, sagte Melissa Camille vom „Göttingen Campus Postdoc Network”. Sie hatte die Speeddating-Aktion mitorganisiert.

Wie sehr uns Düfte im Alltag beeinflussen, darüber sprach Anja Lepach-Engelhardt, Professorin an der Privaten Fachhochschule Göttingen, in der Parfümerie Liebe. Beispielsweise bei der Partnerwahl mische die Nase entscheidend mit. „Wenn das Mikrobiom nicht passt, verpartnert man sich in der Regel nicht”, sagte sie. Der Mensch könne nicht nur mit einem Sinn isoliert arbeiten und der Geruchssinn habe die subtile Macht, uns zu steuern. Solche Mechanismen mache sich auch die Wirtschaft zu Nutzen, zum Beispiel beim Einsatz von Neuwagenspray und Backwarenduft. „Der Geruch gaukelt uns etwas vor”, sagte sie. Und das lasse sich manipulativ nutzen.

Wo macht an einer Kaffeemaschine welcher Bedienungsknopf Sinn? Das ist eine der Fragen, die die Wissenschaftler am Institut für Informatik interessiert – und die sie erforschen. Dafür braucht man heute nämlich keine Kaffeemaschine mehr, sondern augmented Reality. Das heißt, die Kaffeemaschine muss gar nicht erst gebaut werden um sie zu testen. Marina Wurzbach und Nico Funke vom Institut für Informatik standen im Startraum Göttingen an der Friedrichstraße Rede und Antwort. Besucher konnten VR-Brillen ausprobieren und einen Fahrsimulator bedienen. „Die Universität hat uns angesprochen und wir sind gerne dabei”, sagt Manuel Scheidegger vom Startraum.

Das Deutsche Primatenzentrum (DPZ) erforscht Primaten und forscht mit Primaten. In der Alten Mensa stellte die Forschungseinrichtung seine Arbeit vor. „Wir haben heute auch wechselnde Mitmachaktionen”, sagte Susanne Diederich vom DPZ. Am Nachmittag konnten Besucher einmal eine medizinische Naht üben. Die Schülerin Katharina zog konzentriert die Fäden durch ein rosafarbenes Fließ, dass der menschlichen Haut ähnelt. „Meerschweinchenhaut beispielsweise ist viel dicker“, erklärte Veterinärmedizinerin Rabea Hinkel. „Vielleicht will ich einmal Ärztin werden”, sagte Katahrina, die mit ihrem Vater gekommen war. Nur: „Spritzen kann ich nicht gut sehen.” Hinkel lobte die Fertigkeiten der Nachwuchsforscherin. bib

Authored by: Blick Redaktion