Eltern verärgert: Kein Kindergartenplatz für Geschwisterkind aus Nachbarort
garten kann im kommenden Jahr nur noch Kinder aus Bovenden aufnehmen.

Eltern verärgert: Kein Kindergartenplatz für Geschwisterkind aus Nachbarort

Vor 21 Monaten hat Ilona Wöhlert aus Eddigehausen ihre jüngste Tochter für eine Aufnahme im Waldorf-Kindergarten im Nachbarort Bovenden zum Herbst 2020 angemeldet. Jetzt hat sie eine Absage wegen mangelnder Kapazitäten bekommen. Da ihr vierjähriger Sohn bereits seit einem Jahr den Waldorf-Kindergarten besucht, fiel die Mutter von fünf Kindern im Alter von zwei bis 16 Jahren aus allen Wolken. Nachfragen bei der Kindergarten-Leitung und der Fleckenverwaltung hätten zu keinem Ergebnis geführt, sie sei auf den Kindergarten in Eddigehausen verwiesen worden.

Alle ihre Kinder hätten den Waldorfkindergarten besucht, berichtet Wöhlert. Die Bindung an den Kiga „Das Rübchen“ sei eng, das pädagogische Konzept habe sie überzeugt, ihr vierjähriger Sohn fühle sich dort sehr wohl: „Wir hängen an diesem Kindergarten.“ Obwohl sie chronisch erkrankt sei, müsse sie künftig ihre beiden jüngsten Kinder zu verschiedenen Kindergärten fahren oder ihren Sohn wieder aus dem Waldorf-Kiga herausnehmen und gemeinsam mit der Tochter in Eddigehausen anmelden – samt Mehrkosten für das verpflichtende Mittagessen. Das belaste den Tagesablauf und sei mit erheblichem Mehraufwand verbunden.

Anmeldung über Little Bird

Wöhlert kennt keine Familie, deren Kinder Kigas in verschiedenen Orten besuchen. Sie vermisst Transparenz und Entgegenkommen und moniert, dass keine Härtefall- oder Übergangsregelung möglich sein soll. Über das zum Jahresbeginn 2018 für die Kindertagesstätten im Flecken eingeführte zentrale Online-Anmeldeportal Little Bird habe sie zeitgleich ihren Sohn und ihre Tochter für den Waldorf-Kiga eingetragen. „Fast zwei Jahre lang haben wir gedacht, sie bekommt dort auch einen Platz“, sagt Wöhlert und bemängelt, dass das Online-System keine Rückmeldung zu Chancen und Erfolgsaussichten gebe. Bei allem Verständnis für die Platznot vermisst sie Optionen und Kompromissvorschläge. Zudem mutmaßt sie einen Zusammenhang zwischen Beitrags- und Wahlfreiheit sowie mit den baulichen Kindergarten-Erweiterungen im Flecken.

Diese Vorwürfe weist Bovendens Bürgermeister Thomas Brandes (SPD) entschieden zurück. Schon lange vor dem Online-Anmeldeverfahren mit Prioritätsvermerken sei mit allen Kindertagesstätten-Trägern im Flecken eine sinnvolle vertragliche Regelung getroffen worden. Danach sollen Kita-Plätze vorrangig an Kinder aus dem jeweiligen Ort vergeben werden. Falls dann noch Platz sei, könnten auch Kinder aus anderen Ortsteilen aufgenommen werden. Das sei hier aber nicht der Fall, alle Kindergarten-Plätze für kommendes Jahr von Kindern aus Bovenden belegt, sagt Brandes. Aufgrund starker Jahrgänge sei es eng geworden mit den Kapazitäten.

Kein Spielraum für Ausnahmen

Brandes zeigt Verständnis für den Unmut, sieht aber keinen Spielraum für eine Ausnahme- oder Härtefallregelung und will keinen Präzedenzfall für „Kindergarten-Tourismus“ im Flecken schaffen. Wöhlert poche auf einen Platz in Bovenden, den es dort aufgrund der Entwicklung nicht gebe: „Jemand, der in Bovenden wohnt, müsste ansonsten sein Kind nach Eddigehausen schicken.“ Die Kindertagesstätten hätten auch interne Kriterien für die Aufnahme, bei denen Geschwisterkinder eine Rolle spielen könnten. Soweit komme es angesichts des Engpasses aber gar nicht, da sich alle an die Vereinbarung über eine ortsnahe Vergabe halten würden: „Wir haben ein vielfältiges Angebot im Flecken, das aber an Grenzen stößt.“

„Die Leitung und der Vorstand des Waldorfkindergartens und der Waldorfkrippe bedauern sehr, dass insbesondere Familien, die dem Haus und der Waldorfpädagogik viele Jahre verbunden sind, aus Kapazitätsgründen im kommenden Kindergartenjahr keinen Platz in unserer Einrichtung erhalten können“, sagt Kita-Leiterin Michaela Kreß-Hannen. ku

Authored by: Blick Redaktion