Restaurantbetreiber und Caterer beantragt Insolvenzverfahren
Das ehemalige Planea an der Sternwarte Göttingen.

Restaurantbetreiber und Caterer beantragt Insolvenzverfahren

Die Göttinger Firma Goldkorn, die die Restaurants Lokalneun und Kepler betreibt, hat Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das sagt Rechtsanwalt Peter Staufenbiel.

„Der Betrieb läuft wie geplant weiter“, erklärt Staufenbiel auf Tageblatt-Anfrage. Das Amtsgericht Göttingen hat den Rechtsanwalt am Mittwoch als vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt. Alle Weihnachtsfeiern und Events würden, wie mit den Kunden vereinbart , durchgeführt, versichert Staufenbiel. Die Löhne der Mitarbeiter seien für drei Monate gesichert. Bis dahin werde er die Sanierungsaussichten der Goldkorn Event UG & Co. KG prüfen und ein Gutachten für das Gericht verfassen.

„Die 40 Mitarbeiter ziehen alle mit“, betont Staufenbiel. Das sei in ersten Gesprächen geklärt worden. Die erste Betriebsversammlung mit zehn Beschäftigten habe er am Mittwoch in der Zentrale an der Karl-Grüneklee-Straße 22 durchgeführt – anderthalb Stunden nach seiner Einsetzung durch das Gericht. Weitere Betriebsversammlungen seien für Donnerstag im Lokalneun am Wochenmarkt sowie Kepler an der historischen Sternwarte geplant. Über die Gründe der Zahlungsschwierigkeiten könne er noch nichts sagen.

„Goldkorn betreibt nicht nur die Restaurants, sondern übernimmt auch Cateringaufgaben“, führt Staufenbiel aus. Die Firma arbeite für Privatpersonen und Unternehmen, kümmere sich um die Verpflegung auf Messen, bei Events – seit 2013 etwa in der Lokhalle – oder bei Festivals. Zudem verleihe das Unternehmen Gastronomie-Equipment, das es auf Kundenwunsch auch auf- und abbaue.

Die Vorgängerfirma des Unternehmens, die 2007 von den drei studierten Bauingenieuren für Architektur, Lars-Oliver Bohnsack, Klaus Hausmann und Lars Watermann, gegründet worden ist, hatte 2014 neue Räume an der Karl-Grüneklee-Straße auf dem ehemaligen Huhtamaki-Gelände bezogen. Sie erweiterten dort ihre Lagerfläche auf 1400 Quadratmeter, die Bürofläche auf 270 Quadratmeter.

Goldkorn wurde 2016 Opfer des schlechten Wetters

Das expandierende Unternehmen musste 2016 Insolvenz anmelden. Die Göttinger waren Opfer des schlechten Wetters geworden. Gewitter hatten dem Caterer des größten deutschen Musikfestivals, „Rock am Ring“, und des „Southside-Festivals“ das Geschäft verdorben. Die Göttinger blieben auf Speisen sitzen, die sie für 80000 beziehungsweise 60000 Musikfans vorbereitet hatten. Zudem wurde in jenem Jahr in München ein Festival wegen eines Amoklaufs abgesagt.

Den Goldkörner, die 2016 mit 21 Festangestellten und 500 Aushilfen 3,8 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften, wuchsen die Kosten über den Kopf. Die Goldkorn Verwaltungs GmbH, die Goldkorn GmbH & Co. KG und die Goldkorn Restaurant Betriebs- und Service GmbH & Co. stellten Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens.

Kunden wie die Stadt Göttingen, die städtische Wirtschaftsförderung GWG, die die Lokhalle managt, und das Junge Theater, aber auch Lieferanten hielten der Firma während der schweren Zeit die Treue. So gelang den drei Gründern 2017 ein Neuanfang. Zum 1. März übernahm die Folgegesellschaft den Betrieb des Lokalneuns und des Francis Drake. Im Oktober diesen Jahres kam das Restaurant Kepler an der Geismar Landstraße dazu. An der Alten Sternwarte hatte zuvor das Hotel Freizeit In das Planea betrieben.

Auch an Festivals hat sich die Firma Goldkorn weiter beteiligt, die zuletzt von Lars Watermann geführt worden ist. Gegen die Risiken des Festivalsgeschäft hatten sich die Göttinger besser abgesichert – „und es auch nicht so intensiv wie früher betrieben“, ergänzt Staufenbiel. mic

Authored by: Blick Redaktion