Schlammfontäne über Rosdorf: So lief die Sprengung der 5-Zentner-Fliegerbombe
Kontrolliert gesprengt: Sprengmeister Thorsten Lüdeke nach der Detonation am Krater.

Schlammfontäne über Rosdorf: So lief die Sprengung der 5-Zentner-Fliegerbombe

Exakt um 15.15 Uhr zerriss ein lauter Knall die zwischenzeitliche Stille auf der gesperrten Siekhöhenallee im Rosdorfer Gewerbegebiet. Eine gewaltige Schlammfontäne aus Wasser und Ackerboden schoss 20 bis 30 Meter in den trüben Novemberhimmel.

Sprengmeister Thorsten Lüdeke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen (KBD) und sein Team hatten ganze Arbeit geleistet und eine amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg kontrolliert gesprengt. Ein knapp fünf Meter durchmessender und mehr als zwei Meter tiefer Krater klafft seitdem auf dem Acker, auf dem demnächst der Bau von weiteren Logistikhallen geplant ist.

20 Kilo Sprengstoff

„Auch nur 20 Kilo Sprengstoff können eine ziemliche Wirkung entfachen“, sagte Lüdeke nach getaner Arbeit. Die Menge, die am Freitag detoniert ist, war nur ein Bruchteil dessen, was für eine Fünf-Zentner-Bombe üblich ist. Die 250 Kilo schweren amerikanischen Fliegerbomben sind normalerweise mit rund 120 Kilo Sprengstoff – TNT oder ähnlichem – gefüllt. Ein Teil des Sprengstoffs der Rosdorfer Bombe war aber bereits außerhalb des Bombenkörpers gefunden und vorab sichergestellt worden. Sie war in der vergangenen Woche bei Arbeiten auf dem Gelände entdeckt worden.

Begonnen hatte der Tag für die rund 50 Einsatzkräfte von den Rosdorfer Freiwilligen Feuerwehren, der Polizei und dem Rosdorfer Bauhof bereits um 8 Uhr mit einer Lagebesprechung bei der Feuerwehr. Gemeindebrandmeister Martin Willing erläuterte die Situation und Einsatzziele und teilte die neun Posten ein, die während des Einsatzes dafür sorgten, dass 1000 Meter durchmessende Sperrbezirk eingehalten wurde. 20 Betriebe wurden evakuiert, mehr als 20 Anwohner mussten ihre Häuser verlassen. Jörg Kaufmann, Fachbereichsleiter Ordnung bei der Gemeinde Rosdorf, lobte die Kooperation aller Betroffenen. Pünktlich im 9 Uhr war der Bereich geräumt.

Zünder ist stark beschädigt

Noch am Donnerstag war Gemeindebürgermeister Sören Steinberg (SPD) optimistisch, dass die Entschärfung der Bombe gegen 12 Uhr abgeschlossen sein könnte. Doch es sollte anders kommen.
Nachdem sich Lüdeke bis zur Bombe, die auf einer Tiefe von 1,2 Meter im Boden lag, mit Bagger und die letzten 20 Zentimeter per Hand vorgegraben hatte, stellte der Sprengmeister fest, dass statt der erwarteten 10 Kilogramm in der Bombe verbliebener Sprengstoff sich mehr als die doppelte Menge in dem beschädigten Bombenbehälter befand. Zweites Problem: Der Aufschlagzünder am Heck der Bombe war derart deformiert, dass es sich nicht hat lösen lassen. Daher kam nur die kontrollierte Sprengung der Bombe in Frage.

Um den Druck der Detonation abzufangen, sollten zwei Wasserbehälter über die Bombe gelegt werden. Für ihre Füllung wurden 48.000 Liter Wasser benötigt. Der Rosdorfer Maschinenring und Landwirt Stefan Lott lieferten das Wasser. Doch die Befüllung der Wasserkissen verzögerte die Sprengung der Bombe weiter.

Ebenso stand kurz im Raum, wegen der höheren Sprengstoffmenge den Radius des Sperrbezirks zu verdoppeln. Dann hätten sowohl die Justizvollzugsanstalt und Wohngebiete in Rosdorf und Grone evakuiert und die ICE-Trasse der Bahn gesperrt werden müssen. Doch Lüdeke gab Entwarnung, Willing, Steinberg und Kaufmann atmeten auf.

„Super-Arbeit“ der Einsatzkräfte

Am Ende des knapp achtstündigen Einsatzes lobte Gemeindebürgermeister Steinberg die „Super-Arbeit“ der Einsatzkräfte. Ihm sei ein Stein vom Herzen gefallen, die Sprengung sei trotz aller Widrigkeiten im Verlauf des Morgens „superorganisiert“ und „professionell“ umgesetzt gewesen. Der Bombenfund im Gewerbegebiet war nach Steinbergs Angaben der bislang größte auf Rosdorfer Gemeindegebiet.

Erst im Oktober war Sprengmeister Lüdeke bei einer Bombenentschärfung in Göttingen. Die vermeintliche Bombe entpuppte sich aber als Metallschrott. Doch für Lüdecke war die Rosdorfer Bombe mit Sicherheit nicht die letzte Bombe, die er unschädlich gemacht hat. „Ich muss noch 30 Jahre arbeiten, so lange reicht die Arbeit“, sagte er angesichts der großen Mengen Kampfmittel, die immer noch bislang unentdeckt im Boden schlummern. mib

Authored by: Blick Redaktion