Urteil im Falschgold-Prozess
Gold oder nur vergoldet? Das Urteil darüber fällt auch Experten nicht leicht. Im Falle des Göttinger Betruges handelte es sich um Messingbarren.

Urteil im Falschgold-Prozess

Im Göttinger Falschgold-Prozess ist ein Gerichtsurteil ergangen. Der 21-jährige Angeklagte ist vom Amtsgericht zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Richterin Kathrin Ohlemacher brachte das Jugendstrafrecht zur Anwendung. Der junge Mann muss den entstandenen Schaden begleichen. Der Sparkasse Göttingen warf die Richterin ein Mitverschulden vor.

Rückblick: Im September 2016 hatte der damals 16-Jährige der Göttinger Sparkasse einen angeblichen Goldbarren zum Kauf angeboten. Er stamme aus einer Erbschaft, erklärte er die Herkunft des Edelmetalls. Das Geldinstitut griff zu. Allerdings handelte sich bei dem Barren um eine vergoldete Variante, quasi eine Nachahmung. Die Sparkasse prüfte die Echtheit nicht, kaufte in den nächsten Wochen vielmehr weitere vermeintliche Goldbarren an. Allesamt sollten sie aus der Erbmasse einer verstorbenen Großmutter stammen, wie der jugendliche Verkäufer angab. In Wirklichkeit hatte er die Barren über das Internetportal eBay erstanden, sie bestanden hauptsächlich aus Messing und anderen Metallen.

Verweis „plated“ – vergoldet

Solche Angebote sind nichts Ungewöhnliches, da sie unter dem Verweis „plated“, also vergoldet, gehandelt werden. Doch der Jugendliche bot die Nachahmungen als echte Goldbarren an. Es kam zu mehreren Ankäufen, in drei Fällen zahlte die Sparkasse für mehrere Barren Beträge zwischen 60?000 bis 70?000 Euro. Insgesamt flossen auf das Konto des Verkäufers fast 299 683 Euro. Irgendwann im November 2016 muss es bei den Mitarbeitern des Geldhauses gedämmert haben, dass hier etwas nicht stimmen konnte. Sie äußerten gegenüber der Polizei den Verdacht auf Geldwäsche. So kam es zu einer Hausdurchsuchung bei dem Realschulabsolventen.

Diese schilderte während der Gerichtsverhandlung ein am 1. Dezember 2016 beteiligter Polizeibeamter. In dem Zimmer des jungen Mannes, der zu diesem Zeitpunkt bei seiner Mutter lebte, hätten überall Münzen herumgelegen, sogar auf dem Fußboden. „So was hatten wir noch nicht gesehen“, sagte der Polizist. Der Verdächtige habe sich „wenig gesprächsbereit“ gezeigt, habe zurückhaltend, schüchtern und kindlich gewirkt. „Ich hatte das Gefühl, dass er die ganze Situation nicht durchblickt“, schilderte der Zeuge.

Mutismus-Erkrankung

Der junge Mann leidet an einer Mutismus-Erkrankung, einer Kommunikationsstörung. Darauf wies Andrea Kobold von der Jugendgerichtshilfe der Stadtverwaltung Göttingen hin. „Es fällt ihm schwer, anderen etwas von sich mitzuteilen“, sagte sie. „Das Ganze hier ist für ihn eine Herausforderung. Es ist nicht so, dass er nicht sprechen will, er kann es nicht“, versicherte Kobold. Ihren Worten nach habe er inzwischen eine Ausbildung zum Kraftfahrer begonnen, die ihm gut tue. „Da muss er nicht mit Menschen sprechen.“ Er sei jetzt auf einem guten Weg. Da sich der Mann zivilrechtlich verantwortlich zeige und sich zur Wiedergutmachung des Schadens bereiterklärt habe, forderte sie zwei Jahre auf Bewährung nach Jugendstrafrecht sowie Übernahme der Verfahrenskosten.

Echtheit versichert

Pflichtverteidiger Wulf-D. Gornickel wies in seinem Plädoyer darauf hin, dass der Angeklagte den ersten erstandenen Barren einem Juwelier zur Prüfung gegeben habe. Der habe diesem die Echtheit versichert. Richterin Ohlemacher verurteilte den 21-Jährigen wegen gewerbsmäßigen Betrugs in neun Fällen und in großen Ausmaß zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Das Gericht wolle mit dem Urteil erzieherisch auf den Mann einwirken. Ihm sei es freilich leicht gemacht worden, seine Taten zu begehen, da die Sparkasse Göttingen nur eine Sichtprüfung vorgenommen habe.
Und die Sparkasse? In einer Erklärung lässt das Geldinstitut nach dem Urteil verlauten, dass es sich um einen Einzelfall handele, weitere vergleichbare Betrugsfälle seien weder vorher noch hinterher aufgetreten. Kunden der Sparkasse Göttingen sei durch den Betrugsvorfall kein Schaden entstanden. mei

Authored by: Blick Redaktion