Samariter und Straßensozialarbeit helfen Obdachlosen durch den Winter
Schlafsäcke und mehr für Obdachlose in der kalten Jahreszeit überreichten (v. l.) Gebhard Fengewisch, Ronald Kirstan und Dirk Rosenplänter vom ABS an Straßensozialarbeiter Daniel Rainers.

Samariter und Straßensozialarbeit helfen Obdachlosen durch den Winter

Der Winter ist für Obdachlose die härteste Jahreszeit – Frost und Feuchtigkeit machen das Leben auf der Straße noch schwieriger. Deshalb hat der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) am Freitagnachmittag im dritten Jahr in Folge Schlafsäcke und anderen Schutz gegen die Kälte an die Straßensozialarbeit Göttingen übergeben. Die Organisation des Diakonieverbandes verteilt die Hilfsgüter dann an die Wohnungslosen der Region.

Im Haus der Straßensozialarbeit übergaben Dirk Rosenplänter, Vorsitzender des ASB-Ortsverbandes Göttingen, und seine Kollegen 40 Schlafsäcke, 20 Hygienesets und zehn Mal Thermounterwäsche an Daniel Rainers von der Straßensozialarbeit. Dort können Hilfsbedürftige sich die Ausrüstung abholen, wenn sie eine benötigen.

Rosenplänter erklärt, warum die Samariter die Schlafsäcke nicht selbst ausgeben: Anders als die Straßensozialarbeit hätten sie keinen Anlaufpunkt, an dem Wohnungslose sich die Sachen abholen könnte. Außerdem hätten die Streetworker aufgrund ihrer Arbeit den direkteren Kontakt zu den Obdachlosen in Göttingen und Umgebung.

Die Hilfsgüter wurden wie in den vergangenen Jahren mit Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert. Nachschub ist auch jedes Jahr nötig: „Diese Menschen schlafen schließlich jeden Tag in ihren Schlafsäcken, nicht so wie wir einmal im Jahr für eine Woche, wenn wir Urlaub machen. Besonders die Schlafsäcke sind Verschleißgegenstände, die häufig ersetzt werden müssen“, erklärt Sozialarbeiter Rainers.

Göttingen ist eine von 30 Städten deutschlandweit, in denen am Nikolaustag bei der jährlichen Kältehilfeaktion des ASB Hilfsgüter übergeben wurden. Diese Hilfe ist dringend nötig: Die Zahl der Wohnungslosen sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, sagt ASB-Bundesgeschäftsführer Ulrich Bauch.

Das merken auch die Helfer in Göttingen: Mittlerweile kämen 44 Menschen am Tag in die Zentrale der Straßensozialhilfe, sagt Rainers. Vor einigen Jahren waren es noch 40. Nicht alle Menschen, die die Straßensozialhilfe in Göttingen aufsuchten, seien Wohnungslose – die meisten aber schon. Er schätze, dass es in Göttingen zwischen 500 und 1000 Menschen ohne festen Wohnsitz gebe.

Die Menschen kämen auf unterschiedlichen Wegen zu ihm und seinen Kollegen, sagt Rainers. Einige würden von Bekannten geschickt, andere kämen von anderen Hilfsorganisationen zur Straßensozialarbeit. „Manche wollen sich nur einmal aufwärmen, aber viele kommen mit einem ganz konkreten Anliegen zu uns“, sagt der Sozialarbeiter. Häufig benötigten Wohnungslose etwa eine Postadresse, um Sozialhilfe beziehen zu können.

Jedem, der Hilfe suche, werde ein Gespräch angeboten, sagt Rainers. Dabei könnten die Helfer direkt fragen: Wo schläft der Hilfesuchende? Hat er eine Ausrüstung, die ihn in der kalten Jahreszeit vor dem Erfrieren schützt? Nur so könnten die Sozialarbeiter sinnvolle Hilfe anbieten, sagt Reiners – zum Beispiel in Form eines ASB-Schlafsacks. Häufig würden auch Menschen, die auf der Straße angesprochen werden, eingeladen, sich in der Zentrale der Straßensozialarbeit, Tilsiter Straße 2a, Hilfsgüter abzuholen.

Mit der Kältehilfeaktion wolle der ASB auch zur Wachsamkeit aufrufen, heißt es in der Pressemitteilung der Hilfsorganisation. Die Kälte könne im Winter für Menschen, die im Freien schlafen müssen, lebensbedrohlich werden. Es sei wichtig, einen Obdachlosen, der offensichtlich Hilfe benötigt, anzusprechen. Sei die Person nicht ansprechbar, verwirrt, bewusstlos oder könne sich aus anderen Gründen nicht selbst helfen, solle man den Notruf 112 wählen und so Hilfe holen, rät der ASB. ytk

Authored by: Blick Redaktion