Tausende feiern Nikolausparty
Die Nikolausparty im ZHG mit dem Film „Die Feuerzangenbowle“ in mehreren Hörsälen und Live-Acts zieht die Massen an.

Tausende feiern Nikolausparty

Keine Nikolausparty ohne Feuerzangenbowle – doch für acht Filmvorführungen in fünf Hörsälen ist viel Arbeit nötig. Über 50 Helfer sorgten für einen erfolgreichen Kinoabend mit dem Kultfilm. Drei von ihnen hat der Blick durch den Abend begleitet.

Das Bild im 008 steht“ – ein kurzer Satz, und die ruhige Minute zwischendurch ist vorzeitig beendet. Wiebke Boelsen muss spontan Standort und Tätigkeit wechseln, zum wiederholten Mal an diesem Abend. Sie eilt in den besagten Hörsaal und dort zum Computer auf der Bühne – das Technikproblem muss schnell behoben sein. Denn die ersten Besucher sitzen schon im Saal, um in 15 Minuten die „Feuerzangenbowle“ zu sehen.
Wiebke ist Teil des dreiköpfigen „Orga-Teams“ des Unikinos in Göttingen, das am Abend der Nikolausparty im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) der Universität acht Filmvorführungen in fünf Hörsälen auf die Beine stellt – inklusive Rahmenprogramm. Keine Viertelstunde zuvor hat Wiebke die Technik im Raum 008 noch überprüft, da funktionierte alles. „Wie das so ist mit der Technik…“, sagt sie und startet kurzerhand das Programm neu – Problem gelöst.

Von außen betrachtet lassen sich die Mitglieder des Orga-Teams nicht beeindrucken. Anke Peters, Alex Masoldt und Wiebke Boelsen versuchen, die Zeit sinnvoll zu nutzen und machen erste Ansagen. Wiebke hat Erfahrung mit ungeplanten Verzögerungen. Die 26-jährige Forstwissenschaftlerin engagiert sich seit fünf Jahren beim Unikino. „Es wird funktionieren“, ist sie sicher: „Auch, wenn wir darauf jetzt keinen Einfluss haben.“ Tatsächlich: Um 17 Uhr schließlich dürfen die Helfer ins Gebäude – eine Stunde vor Beginn der ersten Vorführung. Jetzt kann der Abend beginnen.

17.15 Uhr: Noch ist das ZHG bis auf Mitarbeiter und Security leer. Wiebke betritt mit einem halben Dutzend Helfern die „heiligen Hallen“ ihres Teams – so nennt sie den Projektorraum des Hörsaals 011. Zwischen Kartons, Kleiderbügeln und Einsatzplänen besprechen sich hier Orga-Team und Helfer, werden Säcke mit Lebkuchen befüllt und aus Studierenden werden Nikoläuse und Christkinder, die die Filmvorführungen eröffnen. Jeder im Team ist im Laufe des Abends für verschiedene Aufgaben eingeteilt – doch niemand muss an so vielen Orten und in so verschiedenen Funktionen unterwegs sein wie Wiebke, Anke und Alex. Um 17.30 Uhr gibt Wiebke den Helfern im Saal letzte Hinweise: Was ist zu tun, wenn das Licht ausgeht? Was, wenn der Film stoppt? Was, wenn es einen Notfall gibt? Noch während sie alles erklärt, startet der Einlass – und die 26-Jährige wechselt schnell zum Saaleingang, um dabei zu helfen, Karten zu kontrollieren.

Ständig spricht Wiebke mit den Helfern, diskutiert Planänderungen, schickt Verstärkung dorthin, wo sie benötigt wird, spielt zwischendurch das Christkind im Hörsaal, überprüft die Technik. Warum macht sie sich diesen Stress? „Wir haben hier tausende Leute, die Spaß haben und den Kult genießen. Daran habe ich auch Spaß, und dafür lohnt sich der Stress.“
Das Orga-Team könne sich auf seine Helfer verlassen, sagt Wiebke. Alle wüssten, was sie zu tun haben. Zwei von ihnen sind Max Brauer (24) und Maximilian Riedel (26), die sich um 20.15 Uhr im Projektorraum hinter dem Hörsaal 011 treffen. Sie werden als Nikolaus und Christkind die „Partyvorführung“ eröffnen, wie das Team die zweite Runde im größten der Hörsäle nennt. Über 900 Studierende werden dabei sein, die sich auf die zeitgleich im Foyer startende Party einstimmen wollen. „Vor so vielen Menschen bin ich noch nie aufgetreten“, sagt Max: „Aber vor zwei Kindern – und was ist schon der Unterschied zwischen zwei Kindern und 900 Partygängern?“

Die Luft im Raum ist abgestanden, weil die Tür immer geschlossen bleiben soll. Der zunehmende Lärm aus dem Saal dringt nur dumpf hinein. Nikolaus und Christkind legen ihre Verkleidungen an – oder zwängen sich hinein („Sehe ich in dem Fummel dick aus?“). Wie kommt es, dass ein bärtiger Mann mit Slayer-T-Shirt das Christkind spielt? „Ich habe den Fragebogen zu spät ausgefüllt“, gesteht Maximilian: „Wir wurden in erster Linie als Gäste eingeladen. Wir helfen alle freiwillig, und da blieb eben noch die Rolle als Christkind.“

Ein anstrengender Abend“, fasst Wiebke die Nikolausparty für sich zusammen: „Aber auch ein guter Abend.“ ytk

Authored by: Blick Redaktion