Geschichte vor der eigenen Haustür
In der Göttinger Innenstadt werden weitere Stolpersteine verlegt.

Geschichte vor der eigenen Haustür

17 neue Stolpersteine sind in der Göttinger Innenstadt in den Boden eingelassen worden. Zur Verlegung der Gedenksteine sind Nachkommen der jüdischen Familien zu Besuch nach Göttingen gekommen.

In die Messingoberflächen sind die Namen der jüdischen Familie Gräfenberg eingraviert, die zur Zeit des beginnenden Nationalsozialismus noch das Kaufhaus Gräfenberg betrieben und denen die Existenz geraubt wurde.

Schüler aus dem 12. Jahrgang des Theodor-Heuss-Gymnasiums Göttingen haben im Geschichtstutorium die Biografien der neun jüdischen Mitbürger aufbereitet und vor Ort am Mikrofon präsentiert. Das Kaufhaus Gräfenberg hatte seit 1875 seinen Sitz in der Weender Straße. In zweiter Generation führen die Brüder Richard und Hugo das Bekleidungsgeschäft und machen es zum „beliebtesten Textilkaufhaus der Stadt“, so die Schüler. Die Familie kommt ursprünglich aus Adelebsen. Die Weltwirtschaftskrise 1929 trifft das Unternehmen hart, der Betrieb kann trotzdem erhalten werden. 1933 beschäftigen sie noch mehr als 60 Mitarbeiter. Unmittelbar nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler beginnt der koordinierte Angriff der Göttinger NSDAP und der SA auf die Firma.

Auch in der Planck-Straße und in der Bühlstraße sind Stolpersteine verlegt worden. „Ich bin noch ganz gerührt – und hoffe, dass vielen die Stolpersteine vor dem Haus auffallen“, sagte eine Anwohnerin. lel

Authored by: Blick Redaktion