„ProZukunft“ hilft Langzeitarbeitslosen in Göttingen
„Mehr Coaching-Seminar als Maßnahme“: Bei „ProZukunft“ lernen Langzeitarbeitslose unter anderem in Computerkursen.

„ProZukunft“ hilft Langzeitarbeitslosen in Göttingen

„Es macht Spaß“ – eine Aussage, die wohl die wenigsten mit einer Qualifizierungsmaßnahme für Langzeitarbeitslose verbinden würden. Doch in der Musa haben sie Spaß: Das Projekt „ProZukunft“ der Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung Südniedersachsen (GAB) will Arbeitslose nicht einfach für einen Beruf qualifizieren, sondern ihnen auch Selbstwert vermitteln und sie besser für den Alltag rüsten.

„ProZukunft“ startete vor zweieinhalb Jahren. Ziel des Projekts ist, Langzeitarbeitslose wieder an den Arbeitsmarkt heranzuführen. Die GAB, eine Tochtergesellschaft des Landkreises Göttingen, organisiert das Projekt. Im Frühling 2019 zog „ProZukunft“ in Göttingen vom Jobcenter in die Musa um. Weitere Standorte hat das Projekt in Duderstadt und Wollershausen.

Rund 100 Menschen befinden sich laut Magdalene Günther, Geschäftsführerin der GAB, gegenwärtig an den drei Standorten in Kursen, die jeweils sechs Monate dauern. Seit Beginn von „ProZukunft“ hätten rund 300 Menschen an den Kursen teilgenommen, sagt Projektleiter Manfred Langer. Davon seien 30 Prozent erfolgreich in Praktika vermittelt worden, und etwa 15 Prozent hätten sogar eine feste Stelle bekommen. Unterstützt wird Langer vom Psychologen Frank Karnap und den Sozialpädagogen Heiko Siebert und Sarina Porschen.

„ProZukunft“ sei eine Vorzeigemaßnahme, sagt Günther. Perspektivisch solle der Ansatz des Projekts im Landkreis etabliert werden. Denn „ProZukunft“ soll anders als andere Qualifizierungsmaßnahmen für Langzeitarbeitslose den Fokus auf die individuellen Eigenschaften der Teilnehmer legen und ihnen so helfen, ihre Stärken zu erkennen und auszubauen.

„Wir sind nicht dazu da, die Leute in eine Form zu pressen“, sagt Langer. Er und seine Mitarbeiter wollten herausfinden, wo die Interessen der Teilnehmer liegen. Denn nicht die Vermittlung selbst, sondern die Freude an der neuen Tätigkeit sei es, die einen langfristigen Erfolg des Projekts ermögliche. Dafür arbeiten die Teilnehmer in Gruppen, bekommen aber auch Einzelgespräche angeboten.

Es gehe vor allem auch darum, die Kreativität der Menschen zu wecken, sagt Langer. Dafür sei die Musa der perfekte Ort – die Atmosphäre löse viele Hemmungen. Es gebe auch Menschen, die mit einer Verweigerungshaltung zu ihm kämen. Wenn jemand sage, er wolle nicht arbeiten, antworte er nicht: „Du musst aber“, sondern: „Warum nicht?“ Oftmals seien negative persönliche Erfahrungen die Ursache, weiß Langer.

Die Menschen, die in der Musa zum Beispiel Computerkurse belegen oder für Bewerbungen lernen, stammen aus dem gesamten Landkreis. Die Arbeit im Projekt zeichnet sich durch die gute Stimmung vieler Teilnehmer aus. „Wir verstehen uns in der Gruppe. Wenn man ein Problem hat, kann man jederzeit darüber reden“, erzählt eine Teilnehmerin. Immer freitags frühstücken die Teilnehmer gemeinsam.

„Das hier ist eigentlich keine Maßnahme, sondern ein Coaching-Seminar“, sagt ein anderer Teilnehmer. Alle hätten die Gelegenheit, die Kurse mitzugestalten. Bei „ProZukunft“ habe er festgestellt, dass er als „Zahnrädchen“ etwas zur Allgemeinheit beitragen könne. Die Teilnehmer schätzen die Möglichkeit, auf etwas hinzuarbeiten, das ihnen Freude macht – und den Austausch in der Gruppe. „Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich keine sozialen Kontakte mehr hatte“, erzählt einer von ihnen. Jetzt sei es für ihn wieder normal, sich mit Anderen zu unterhalten.

Zur Teilnahme an einem Kurs von „ProZukunft“ wird man vom Jobcenter angemeldet. Deshalb sei es wichtig, dass die Mitarbeiter dort über das Projekt Bescheid wüssten, sagt Langer. Denn sonst kämen Menschen zu ihm, die sich zur Teilnahme gezwungen fühlen, und mit denen ließe sich nur schwer arbeiten. Die Teilnahme an den Kursen ist kostenlos, währenddessen erhalten die Teilnehmer weiter Hartz IV.

Authored by: Blick Redaktion