Schildkröten, Skelette, Rollatoren: Skurrile Funde in den Fundbüros in der Region
Neben allerlei Alltagsgegenständen befindet sich im Fundbüro der Stadt Göttingen auch ein Skelett.

Schildkröten, Skelette, Rollatoren: Skurrile Funde in den Fundbüros in der Region

Es ist der Ort, an dem sich die Verzweifelten einfinden. Es ist der Ort für Happy Ends. Das Fundbüro der Stadt Göttingen. Dort und in den Fundbüros anderer Kommunen landet im Verlauf eines Jahres allerlei Kurioses. Eine Bilanz für 2019.

„Es gibt doch noch ehrliche Finder.“ Friedel Oppermann ist froh. Zufrieden klimpert er mit seinem Schlüsselbund vor dem Schalter des Göttinger Fundbüros im Neuen Rathaus. Am 18. Dezember hatte Oppermann seine Schlüssel im Parkhaus am Groner Tor aus Unachtsamkeit verloren. Ein Finder hatte sie dort abgegeben. Von dort sind sie dann ins Neue Rathaus gelangt, wo Verwaltungsmitarbeiterin Gabriele Wüstefeld das Schlüsselbund am Freitag an seinen Besitzer ausgehändigt hat.

Wer in diesen Tagen das Göttinger Fundbüro betritt, dem fällt sofort das kopflose Skelett auf, das aufrecht an einer der Stellwände hängt. „Ein Fund der Polizei“, sagt Wüstefeld. Am Nonnenstieg habe sie es gefunden und dann im Fundbüro abgeben. Noch ist es herrenlos, der Besitzer habe sich noch nicht gemeldet.

In einer Vitrine liegen ordentlich aufgereiht und nach Fundmonat sortiert diverse Brillen. Auf der Vitrine thront eine Drohne, davor wartet ein Rollator auf seinen Besitzer. In Schränken liegen vergessene Turnbeuteln, auf den Schreibtischen liegen Kuscheltiere, auf einem Wagen türmen sich die Trinkflaschen.

115 Schirme hat das Fundbüro Göttingen im vergangenen aufgenommen. Die Fundbilanz 2019 weist unter anderem 329 Schlüsselbunde, 267 Geldbörsen oder Bargeld, 256 Dokumente und Plastikkarten, 244 Mützen, 239 Fahrräder, 197 Turnbeutel, 164 Mobiltelefone, 101 Paar Handschuhe, 105 Schmuckgegenstände und 62 Schals. Hinzukommen Taschen und Rucksäcke (25), Elektrogeräte (22) und Uhren (41) sowie 281 Bagatellfundsachen mit einem Wert unter 10 Euro. Auch Fundsachen aus Bussen und Dinge, die in Unigebäuden verloren wurden, landen im Neuen Rathaus. Zwei Mitarbeiter verwalten hier die Funde. „Die Mitarbeiter im Fundbüro prüfen bei jeder Fundsache, ob ein Name vorhanden ist – zum Beispiel bei Geldbörsen“, erläutert Verwaltungssprecher Dominik Kimyon.

Sollte der Name „als wohnhaft in Göttingen“ registriert sein, würden die Mitarbeiter „unverzüglich“ Kontakt auf. Sollte die Person außerhalb Göttingens wohnen, würde die Fundsache an das entsprechende Bürger- oder Fundbüro der Kommune gesandt, sagt Kimyon. 80 Prozent der abgegebenen Dokumente finden laut Kimyon den Weg zurück zu ihren Besitzern. Bei verloren gegangenen Schlüsseln sei das nur in etwa 30 Prozent der Fälle der Fall. Kleidung und Rucksäcke, bei denen sich kein Eigentümer finden lasse, würden nach dem vorgeschriebenen Fristablauf von sechs Monaten an das Spendenzentrum der Stadt Göttingen gespendet. „Alle anderen Sachen gehen in das Eigentum der Stadt Göttingen über“, sagt Kimyon.

Eine griechische Landschildkröte, eine Drohne, eine Werkzeugtasche, ein Motorrad-Sitz und eine Akku-Säge gehören zu den kuriosen Funden, die im Duderstädter Fundbüro abgegeben worden sind. 200 Fundsachen haben Finder im vergangenen Jahr in Hann. Münden abgegeben. Darunter, wie in Göttingen, ein Rollator. Ebenso gaben Finder 40 mal Bargeld und Geldbörsen, 80 Schlüssel inklusive Autoschlüssel, 20 Fahrräder, 15 Brillen und zehn Mobiltelefone ab.

In den bislang 80 abgeschlossenen Fällen konnte die Stadt Hann. Münden nach Auskunft von Jörg Golde, Leiter Fachdienst Sicherheit und Ordnung, 40 Eigentümer ermittelt. Bei 120 Fällen aus 2019 laufe die Aufbewahrungsfrist noch. Sollten Eigentümer nicht ermittelt werden können gehen Schmuckstücke in den Verkauf. Schlüssel und Handys, so Golde, würden vernichtet.

Authored by: Blick Redaktion