Typisierungsaktion am  Otto-Hahn-Gymnasium
Amelie Beckmann (r., Jahrgang 11) lässt sich von Hannah Horrmann, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Johanniter-Unfall-Hilfe, Blut für die Typisierung entnehmen.

Typisierungsaktion am Otto-Hahn-Gymnasium

Im Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) hieß es am Mittwoch: Blut abgeben, um in der Zukunft womöglich ein Leben zu retten. 174 Schüler der höheren Jahrgänge haben sich typisieren lassen. Erstmalig nahmen auch Schüler und Lehrkräfte der Geschwister-Scholl-Gesamtschule an der Typisierungsaktion teil, die im OHG organisiert wird.

Auf diese Weise werden die Spender in einer zentralen Datenbank registriert, die die Merkmale ihrer Stammzellen im System abspeichert. Beatrix Pollok-Kopp, Oberärztin an der Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Göttingen, leitet die Aktion.

Sie erklärt, warum es wichtig ist, dass möglichst viele junge Menschen in der Datenbank eingetragen sind: So wachse die Wahrscheinlichkeit, dass weltweit ein passender Stammzellenspender gefunden wird. Und somit jemand, der an Blutkrebs erkrankt ist, nicht stirbt.

„Das letzte Mal organisierten wir die Aktion im Jahr 2017 hier im OHG“, berichtet Pollok-Kopp. „An beiden Schulen gibt es sehr engagierte Lehrer, die mit mir gemeinsam die Aktion planen.“ Sie wünsche sich an den anderen Schulen ein ähnliches Engagement – schließlich könne es auf jeden Spender ankommen. „Stammzellen besitzen Billionen von Merkmalen“, erklärt die Ärztin. Die Zellen seien sehr individuell und ein geeigneter Spender müsse oft in anderen Ländern gesucht werden. Daher biete die Aktion an der Schule eine gute Gelegenheit, möglichst viele junge und gesunde Menschen zur Typisierung zu mobilisieren. Pollok-Kopp hatte die Schüler an beiden Schulen im Vorfeld darüber aufgeklärt, worauf sie sich einlassen. „In Vorträgen habe ich ihnen erklärt, dass es zwei Arten der Spenden gibt: Eine periphere und eine Knochenmarkspende“, sagt sie. Bei letzterer sei eine Operation mit Vollnarkose nötig, was heutzutage möglichst vermieden werde.

Außerdem versicherte sie den Schülern vor allem eins: „Die Daten sind registriert, aber damit sind sie zu keinerlei Verpflichtung gezwungen. Auch wenn sie die Nachricht erhalten, für eine Spende geeignet zu sein, können sie das Angebot jederzeit ablehnen“, sagt die Ärztin. Doch diese Ablehnung habe nun einmal eine Konsequenz: Ein Krebspatient stirbt vermutlich. „Diese gute Tat, ein Menschenleben zu retten, bedeutet den Spendern in der Regel eine große Freude.

Nach der Entnahme sagen die meisten, sie würden es wieder tun – auch wenn sie mit kleinen Nebenwirkungen wie Gliederschmerzen verbunden ist“, sagt Pollok-Kopp.

Im OHG waren an diesem Tag drei Stationen vorbereitet: In der ersten saßen Schüler, die sich dazu bereit erklärten, bei der Registrierung zu helfen. Ihre Mitschüler kamen zu ihnen, um eine Einverständniserklärung zu unterschreiben und ihre persönlichen Daten abzugeben. An der zweiten Station waren ehrenamtliche Helfer der Johanniter für die Blutentnahme zuständig. Im dritten Raum standen schließlich Gebäck und eine Nachsorge für die Schüler bereit.

Aus dem zweiten Raum kamen die 18-jährigen Hauke Richter und Malek Shama heraus. Sie erklärten, warum sie sich für die Typisierung entschieden hatten: „Mit wenig Aufwand konnten wir etwas Gutes tun – vielleicht liegt es an uns, dass ein Menschenleben gerettet wird.“ Sie sind sich darüber bewusst, dass sie eventuell niemals als Spender in Frage kommen würden. Aber falls doch, würden sie dann vielleicht doch kalte Füße bekommen? „Die periphere Spende wäre für mich kein Problem. Nur wenn eine Knochenmarkspende von mir verlangt würde, müsste ich noch einmal darüber nachdenken“, sagt Richter.

Typisieren lassen an der UMG

An der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist Beatrix Pollok-Kopp Oberärztin der Transfusionsmedizin. Dort ist die Knochenmark- und Stammzellenspenderdatei Göttingen stationiert. In Deutschland existieren 26 solcher Verzeichnisse. Gesunde Erwachsene, zwischen 18 und 50 Jahren, können die Abteilung besuchen und sich typisieren lassen. Patienten, die an Blutkrebs erkrankt sind, benötigen womöglich eine Stammzellenspende.

„Wichtig ist, dass möglichst viele Menschen im System registriert sind“, sagt Pollok-Kopp. Jeder Mensch besitze so individuelle Stammzellen, dass es häufig schwierig sei, einen passenden Spender zu finden. Die Chance, einen solchen zu finden, liege derzeit bei 85 Prozent. Rechtlich gesehen darf jeder Mensch zwei Mal in seinem Leben spenden“, sagt die Ärztin. Die Typisierungen seien mit Laboraufwand verbunden. Die Kosten werden durch Spendengelder finanziert. „Der Förderverein Hoffnung verwaltet die Gelder und freut sich stets über neue Spenden“, sagt Pollok-Kopp.

Authored by: Blick Redaktion