Göttingen soll Label „StadtGrün naturnah“ erhalten
Die grüne Stadt Göttingen hat fünf Stadtparks, drei davon sind Friedhöfe, die fließend in einen Park übergegangen sind.

Göttingen soll Label „StadtGrün naturnah“ erhalten

Als eine von 16 Kommunen ist Göttingen vom Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ für die Teilnahme am Labeling-Verfahren „StadtGrün naturnah“ ausgewählt worden, teilt die Stadtverwaltung mit. Das Label zeichnet Kommunen dafür aus, dass sie ihre Grünflächen wie Parks, Stadtwälder oder Friedhöfe naturnah pflegen, Wiesen seltener mähen und heimische Pflanzenarten bei der Begrünung einsetzen.

Seit dem Start des Verfahrens im Herbst 2019 haben die Mitarbeiter des Fachbereichs Stadtgrün und Umwelt die städtischen Grünflächen erfasst. Dabei wurde geprüft, ob sie bereits naturnah gepflegt werden oder welche Kooperationen gegebenenfalls schon bestehen, die ein naturnahes Grünflächenmanagement unterstützen können. Die Fachleute haben Pflegegrundsätze und konkrete Projekte zusammengestellt, die den Artenreichtum fördern, sowie Maßnahmen benannt, die entweder geplant oder bereits realisiert sind. Entstanden ist eine detailreiche, 56 Seiten starke Sammlung als Basis für den weiteren Prozess.

Mit Abschluss dieser Bestandsanalyse ist die erste Hürde auf dem Weg zum Label „StadtGrün naturnah“ genommen. Eine hochkarätig besetzte Arbeitsgruppe mit annähernd 30 Teilnehmern aus Naturschutzverbänden, der Politik, der Universität, der Max-Planck-Gesellschaft, der Göttinger Sport- und Freizeit GmbH, dem Kirchenkreisamt und Wohnungsbauunternehmen sowie Grundstückseigentümer wird den weiteren Prozess begleiten.

Göttingen habe mit den beiden großen Friedhöfen Junkerberg und Stadtfriedhof, dem Stadtwald mit praktizierter naturnaher Forstwirtschaft und Biotopen wie Kalkmagerrasen und Kleingewässern sowie den Parkanlagen wie Schillerwiesen oder Stadtwall und den Streuobstwiesen schon viel zu bieten, betont Birte Resow, Leiterin des Fachdienstes Grünflächen im Fachbereich Stadtgrün und Umwelt. Gute Erfahrungen mit Maßnahmen wie Blühstreifen motivierten zusätzlich, so Resow und bilanziert ein positives Feedback aus der Bevölkerung. Doch nicht nur städtische Flächen können in dem Verfahren berücksichtigt werden. „Die Max-Planck-Gesellschaft ist mit ihrem Projekt „Bio-Diversum“ ein gutes Beispiel dafür, wie sich Institutionen für mehr Artenvielfalt und eine naturnahe Bewirtschaftung ihrer Grünflächen engagieren können“, teilt Gudrun Friedrich-Braun mit, die den Fachbereich Stadtgrün und Umwelt leitet.

Bis Mitte September will die Arbeitsgruppe das Thema weiter voranbringen. Anschließend werden die politischen Gremien der Stadt über die Göttinger Grünflächenstrategie beraten und über notwendige Mittel für die Maßnahmen beraten. Am Ende entscheiden die bereits umgesetzten und geplanten Maßnahmen für mehr Biodiversität, ob Göttingen das Label in Bronze, Silber oder Gold erhält. Das Ergebnis der Bemühungen wird bei einem bundesweiten Kongresses voraussichtlich zu Beginn des kommenden Jahres offiziell verkündet.

Zukünftig werde es Aufgabe sein, Vernetzungsstrukturen zu entwickeln, um den Insellösungen entgegenzuwirken, teilt Harald Wiedemann (Grüne) mit, Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität. Wie der Mensch Wanderwege benötige, benötigten auch Fauna und Flora Wanderwege, um sich zu verbreiten und ihren vielseitigen Genpool zu erhalten. Da gebiete es sich, innerstädtische Fließ-und Stillgewässer zu entwickeln, zu renaturieren. Hier erhalte man die größte Bandbreite für die Entwicklung der Biodiversität,- vom Wasser über den Uferbewuchs bis zum Randstreifen. „Exemplarisch kann man den Elliehäuser Bach, der sich zurzeit in einem desaströsen Zustand befindet, als Praxisbeispiel für eine Renaturierung vorschlagen“, erklärt Wiedemann angesichts der Meldung der Stadt, die Bestandserfassung für den Labelingprozess „StadtGrün naturnah“ abgeschlossen zu haben.

Authored by: Blick Redaktion