Historisches Thermometer prangt wieder am Göttinger Alten Rathau
Das historische Thermometer wird wieder am Alten Rathaus in Göttingen angebracht. Uli Holefleisch schaut sich das Thermometer an.

Historisches Thermometer prangt wieder am Göttinger Alten Rathau

Eingepackt in Schal, Mütze und Handschuhe läuft es sich im Januar angemessen durch die Göttinger Innenstadt. Oder etwa nicht? An einigen Wintertagen scheint es ziemlich warm. Gewissheit, wie viel Grad es sind, bietet ab sofort nicht mehr nur die Wetter-App, sondern ein historisches Thermometer am Alten Rathaus.

Am Montagvormittag ist das restaurierte Messgerät feierlich am Nordgiebel des Rathauses montiert worden. Somit fand es nach drei Jahren an seinen alten Platz zurück. Im Jahr 2016 wurde es auf Grund der Umbauarbeiten am Rathaus abgenommen. Monika Tschierske restaurierte das Thermometer, das mutmaßlich 120 Jahre alt ist. Gemeinsam mit Ulrich Holefleisch, Dirk Molthan und Karin Schrader bewerkstelligte sie die Restaurierung.

Das Thermometer besteht aus Holz und ist in grauer Farbe gekleidet. Sein Alter ist ihm – zumindest jetzt, nach den Ausbesserungen – nicht anzusehen. Es besitzt eine runde Blei-Verdachung. „Die ist neu und soll vor Regen schützen“, sagt Tschierske. „Außerdem war die Schrift nicht mehr zu lesen, die unterhalb des Thermometers stand“, erklärte sie die Notwendigkeit für eine Restaurierung. „Göttinger Glasmanifaktur“ stand auf dem Messgerät, das sei noch erkennbar gewesen. Der Titel gebe Hinweis auf das Entstehungsjahr: „Die Göttinger Glaswerkstätten, die wir identifizieren konnten, bestanden um 1900 herum. Wir vermuten daher, dass das Thermometer zu dieser Zeit entstand – also zu einer Zeit, in der allgemein mit der Wetteraufzeichnung begonnen wurde.“

Tschierske ist spezialisiert auf die Restaurierung von Holzgegenständen und arbeitet in Eschwege. Sie erzählt, sie habe die Fassung gereinigt und gefestigt und grobe Löcher gekittet. Sie betont: „Wir wollten das Thermometer nicht erneuern, sondern restaurieren. Das heißt, ich habe nur das nachgebildet, was tatsächlich nachweisbar war.“ Ein „Zwischending“ zwischen musealer und denkmalpflegerischer Restaurierung sei so zu Stande gekommen: Museal werde nur das ausgebessert, was sichtbar ist. „Denkmalpflegerisch kann man weiter gehen und retuschieren“, sagt sie.

Das sonst so schlichte Thermometer weist eine Besonderheit auf: Die Temperatur wird nicht bloß in Grad Celsius gemessen, sondern auch in Réaumur und Fahrenheit. „In Deutschland war zu dieser Zeit gängig, die Temperatur in Grad Celsius und Réaumur zu messen – aber nicht in Fahrenheit“, sagt Schrader, die im Bereich Denkmalschutz arbeitet. Dass Skalen an das Thermometer angebracht wurden, die im Ausland gängig waren, sei so zu begründen: „Göttingen war schon damals eine Universitätsstadt. Vor allem eine Nähe zu England kennzeichnete die Stadt – der englische König Georg der Zweite gründete schließlich die Universität Göttingen. „Daher denke ich, misst das Thermometer auch Grad in Fahrenheit“, sagt Schrader.

Dirk Molthan von der Firma Lambrecht ist einer der Unterstützer, der die Restaurierung ermöglichte. Seine Firma sei seit 160 Jahren auf meteorologische Messtechnik spezialisiert. Daher wollte er sich auch an der Ausbesserung des historischen Thermometers beteiligen. „Wir haben allerdings festgestellt, dass wir nicht die Kompetenz besitzen, das Holz zu restaurieren. Daher haben wir das Projekt an Frau Tschierske weitergeleitet“, sagt er. Aus einer Verbundenheit mit der Stadt Göttingen und mit Messgeräten hätte er sich allerdings dazu entschlossen, dass seine Firma die Finanzierung stemmen sollte: „Etwa 600 Euro spendeten wir – vor allem war es eine Herzensangelegenheit für mich.“

Authored by: Blick Redaktion