Kunst-Gala verbindet
Das Junge Theater zeigt Szenen aus der Musikshow „Wild Thing“

Kunst-Gala verbindet

Die Erinnerung an den „Earth Song“ von Michael Jackson kommt einem automatisch in den Sinn beim Finale der 19. Kunst-Gala im Deutschen Theater. Alle Mitwirkenden singen gemeinsam mit der am Klavier sitzenden Karin Bender den eigens von ihr und ihrer Band The Reason für die Gala komponierten Song „In the heat of the world“. Auf der Leinwand im Hintergrund ist er zu sehen, der Erdball, der in der gut dreieinhalbstündigen Veranstaltung eine Hauptrolle spielt.

„Die Gala ist nicht wie sonst, sondern wir haben in diesem Jahr ein Thema in den Mittelpunkt gestellt“, erzählen die Moderatoren Nils König (Vorstand Kunst-Verein) und Silke Inselmann (Gesellschafterin des Beratungsunternehmens Widserve). Es geht um Klimawandel, mit dem sich die Künstler auseinandersetzen sollen. Ein ernstes Thema – dennoch gelingt es den Mitwirkenden, es mit einer gewissen Leichtigkeit herauszuarbeiten, ohne die Tragweite dabei aus den Augen zu verlieren.

Xara ist eine junge Frau, die den Klimawandel unbedingt aufhalten möchte und Mitstreiter sucht. Eigentlich lebt sie bereits im Jahr 2135, doch sie hat sich auf eine Reise in die Vergangenheit begeben, um herauszufinden, an welchen Schrauben sich noch etwas stellen lässt. Ihre kleine mitgebrachte Drohne spürt viel Kraft und Kreativität im Raum. Doch bei der Entschlossenheit, Dinge auch aktiv umzusetzen, scheint noch viel Luft nach oben zu sein. Auf ihre Fragen, wer Vegetarier werden und nur noch gebrauchte Kleidung tragen würde, sind die in die Höhe gehenden Arme überschaubar, und werden auch bei der letzten Frage nach Handyverzicht nicht mehr. „Wie wollen wir denn Großes bewegen, wenn wir uns nicht einmal auf Kleinigkeiten einigen können“, sagt Xara vorwurfsvoll und lässt die Zuschauer mit dem Beitrag des Jungen Theaters „fridays.future.“ nachdenklich zurück.

Sich einmischen, damit haben Ragna Diederichs und Leonard Krayser von „Fridays for future“ überhaupt kein Problem. Die jungen Aktivisten werden sich nicht aufhalten lassen, weiter für ihre Sache zu kämpfen. „Wir wissen, dass wir unbedingt etwas tun müssen, um den Klimawandel aufzuhalten. Dieses Wissen ist ein Privileg, daraus erwächst die Pflicht, zu handeln. Wir müssen eintreten für unsere Werte, wir streiken, bis ihr handelt“, appelliert er eindringlich.

Selbstbewusst und entschlossen auch seine Mitstreiterin Ragna Diederichs. „Fest steht, wir haben recht“, sagt sie und bezieht sich auf die Ausführungen von Moderator Nils König, der zwischen den einzelnen Präsentationen mit Zahlen und Grafiken belegt, worauf die Welt hinsteuert, wenn nicht schnellstmöglich gehandelt wird. Dabei führen seine Redebeiträge keineswegs dazu, dass sie unterbrechend wirken, sondern sind gekonnt als Überleitung eingesetzt.

„So genießen Sie die Tage mit ausreichender Atemluft“, empfiehlt das Ensemble des Theaters im OP/Improsant. Bedrückend wirkt die Szene auf der Bühne: Die auf die Leinwand projizierte Uhr zählt runter, Endzeitstimmung macht sich breit. Wie nutzt man die verbleibende Zeit, was ist einem noch wichtig? Ein betroffenes Publikum bleibt zurück.

Authored by: Blick Redaktion